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Community Land Trust

Ein zumindest im deutschsprachigen Raum neues Zauberwort geht um, in der engagierten Zivilgesellschaft, die sich aktiv mit dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum auseinander setzt: der Community Land Trust oder auch kurz ‘CLT’. Das Konzept aus den USA und Großbritannien reiht sich langsam und behutsam ein, zwischen Erbbaurecht und Mietshäusersyndikat, und wird nun als eine weitere Strategie erprobt, die der Verdrängung durch Immobilienspekulation den Kampf ansagt. Die Initiative CLT Berlin, die sich mittlerweile Stadtbodenstiftung nennt, hat es sich zur Aufgabe gemacht den ersten deutschen Community Land Trust einzuführen und zwar im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Nicht einmal einen deutschsprachigen Wikipedia Eintrag gibt es bisher – dafür liefert der Berliner CLT eine Definition:

„Ein Community Land Trust ist eine gemeinschaftliche, nicht-gewinnorientierte Eigentumsform, mit der Grund und Boden der Spekulation entzogen wird, um diesen dauerhaft für günstigen Wohnraum aber auch für andere soziale, kulturelle oder gewerbliche Nutzungen zur Verfügung zu stellen“ (CLT Berlin im Juli 2019).


Wie es funktioniert:

Der Begriff setzt sich aus den Worten Community (Gemeinschaft, Gemeinde, Öffentlichkeit), Land (Grundstück, Grundbesitz, Boden) und Trust (Vertrauen, Stiftung, Absicherung) zusammen und ist ein rechtliches Modell, dass wie folgt funktioniert: Wie beim Erbbaurecht werden Boden und Immobilien voneinander getrennt, um eine mögliche Bodenwertsteigerung kollektiv nutzbar machen zu können. Der Boden wird von einer Treuhandgesellschaft, dem CLT besessen und verwaltet. Dieser entscheidet durch einen Beirat darüber, wie der Boden genutzt wird und was, ob, und wie gebaut wird. Der Clou ist, dass dieser Beirat aus allerlei unterschiedlichen Leuten besteht, und zwar aus einem drittel Bewohner*innen, einem drittel Nachbarschaft und einem drittel Vertreter*innen der Stadtgesellschaft bzw. öffentlichen Personen, die durch die Bewohner*innen und Anwohner*innen gewählt werden. Durch diese Mischung wird der Einfluss einzelner Gruppen begrenzt, die vielleicht an einer Wertsteigerung von Grundstück und Immobilien interessiert sind. Ziel ist das nachbarschaftliche Interesse, langfristig bezahlbaren und lebenswerten Wohnraum zu schaffen und zu erhalten.


Die Herausforderungen:

Der CLT Berlin formiert sich gegenwärtig als Stiftung und verhandelt gleichzeitig mit Initiativen und Hausprojekten über mögliche zu erwerbende Immobilien. Die CLT-Initiative beklagt jedoch, dass es schwer sei, überhaupt an bezahlbare Grundstücke zu kommen, die dem CLT zugefügt werden könnten. Zustimmung bekommen sie von Reiner Wild vom Berliner Mieter*innenverein, der ebenfalls den Mangel an Grundstücken als eines der Hauptprobleme für bezahlbares wohnen nennt. Die Stadtforscherin Lisa Vollmer legt jedoch ein Beispiel dar, wie private Grundstücke erfolgreich in kommunales Eigentum umgewandelt werden können: Die Stadt Freiburg erteile Privaten Grundstückseigentümer*innen kein Baurecht und biete ihnen dafür an die Grundstücke zum Verkehrswert zu kaufen. Darauf ließen sich die Meisten dann ein (Vollmer 2018:83). Im September 2018 zum Beispiel hatte die Stadt Freiburg ihr Vorkaufsrecht nach § 24, bzw. §25 des Baugesetzbuchsin 2 Fällen genutzt und zwei Grundstücke erworben, die bereits an einen Fertighaushersteller verkauft werden sollten.


Wo es CLTs schon überall gibt:

In Großbritannien ist die CLT Bewegung schon einen ganzen Schritt weiter. Hier existieren bereits über 290 CLTs, von denen über die Hälfte erst in den letzten zwei Jahren entstanden sind. Das britische National Community Land Trust Network  betont immer wieder, dass CLTs von „ganz normalen Menschen“ initiiert und verwaltet werden und es darum geht, langfristig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der sich preislich am jeweils aktuellen durchschnittlichen Gehalt in der Region orientiert. Das bedeutet, dass Bewohner*innen, die mieten, jeweils eine angepasste Miete zahlen, und diejenigen, die ein Haus oder eine Wohnung auf CLT Boden kaufen, es nur für einen begrenzten Preis weiter verkaufen können. Spekulationen wird so endgültig der Wind aus den Segeln genommen. Weitere CLTs existieren bereits in Belgien, Frankreich, Italien und Australien, und werden je nach Region von der Regierung unterstützt, wie etwa der CLT BXLin Brüssel, oder der CLT Ghent. Das CLT-Netzwerk unterstützt neue Gründungen mit Kontakten, Wissen und teilweise sogar mit Finanzierungsmöglichkeiten.

 

Quellen:

http://www.communitylandtrusts.org.uk/what-is-a-clt

http://www.communitylandtrusts.org.uk/what-is-a-clt/about-clts

https://stadtbodenstiftung.de/

http://www.theorie.org/titel/688_strategien_gegen_gentrifizierung

https://communitylandtrust.wordpress.com/

https://www.goethe.de/ins/be/de/kul/mag/20576082.html

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-584649.html?fbclid=IwAR2Enp3C85W8lF-8JJkd3RxTGiNtgEoSsSvgzdkyYuUmO-niGsaVbXzMk54

https://www.freiburg-nachrichten.de/2018/09/16/freiburg-stadt-uebt-vorkaufsrecht-fuer-zwei-grundstuecke-aus/